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Orlando liest

Orlando liest, April/Mai 2020

Während des Semesters lese ich die Bücher nicht ganz so schnell weg, wie ich mir das wünschen würde. Nur an Wochenenden gelingt es mir, so richtig reinzukippen. Das habe ich in den letzten Wochen gelesen:

Ta-Nehisi Coates: „The Water Dancer“ (2019, Engl.)

Hiram Walker wird in Virginia in die Sklaverei geboren. Er hat ein fotografisches Gedächtnis, aber alle Erinnerungen an seine Mutter sind weg. Über Umwege gelangt er zum Widerstandsnetzwerk Underground Railroad und es stellt sich heraus, dass sein Intellekt nicht seine einzige Superkraft ist.

Sehr schön geschrieben, besonderes Plus für die Rezeption der Geschichte von Moses/Harriet Tubman und die Darstellung der intersektionalen Bezüge in der Abolitionismus-Bewegung.

Majgull Axelsson: „Ich heiße nicht Miriam“ (2017, Deutsch)

Diesen Roman habe ich gerade erst angefangen, deshalb keine uneingeschränkte Leseempfehlung. Die (fiktive?) Hauptperson bekommt zu ihrem 85. Geburtstag ein Armband geschenkt, das einiges auslöst. Die Rückblenden offenbaren den Leser:innen, was ihre Familie nicht ahnt: Sie ist als Roma im Konzentrationslager gewesen und hat sich nach der Shoah als Jüdin ausgegeben. Ihre Lebensgeschichte, der ganze Roman basiert auf den Beziehungen zwischen Antisemitismus und Antiziganismus. Sehr breit rezipiert wurde das Buch noch nicht, auf deutschen Plattformen (big surprise) erhält es durch die Bank fünf Sterne – wurde aber auch dafür kritisiert, sich zu oberflächlich dieses komplexen Themas anzunehmen.

Chimamanda Ngozi Adichie: „Americanah“ (2013, Engl.)

Eine sehr gut lesbare Sprache, eines der wenigen Bücher, wo ich die erste Seite aufschlug und wusste, dass mich der Schreibstil nicht enttäuschen würde!

(Das klingt jetzt so, als hätte ich enorm hohe Ansprüche. Meist brauche ich ein bisschen, um reinzukommen. Manchmal stelle ich dann nach ein paar Kapiteln fest, dass es daran liegt, dass mir die Art zu schreiben wirklich überhaupt nicht gefällt. Oft denke ich mir nach 20-50 Seiten aber: „OMG, was für ein geiles Buch!“)

Adichie schreibt über das Studieren und Schreiben ihrer Protagonistin (motiviert mich ungemein!), Schwarze/afro-diasporische/afro-amerikanische Identitäten (wozu ich nichts sagen kann, außer, dass ich es spannend finde) und spinnt über sehr kurzen 450 Seiten eine sehr schöne Liebesgeschichte. Das alles ist nicht belanglos, sondern mitreißend, leicht und abwechslungsreich genug als entspannte Freizeitlektüre. Jackpot, würde ich sagen!

Miranda July: No one belongs here more than you. (2007, Edinburgh)

Ich lese nicht so oft Kurzgeschichten, weil ich mir meist schwer vorstellen kann, was mich erwartet. Der Vorteil: Wenn mir eine Handlung nicht zusagt, ist das ganze Buch aber nicht umsonst gekauft! So war das natürlich auch bei diesem hier.

Vor kurzem habe ich in irgendeinem Film/Serie/Doku gehört – ich weiß nicht mehr, wo, vielleicht war es in „Dear White People“ – Mainstream-Kultur sei langweilig: Der Plot dreht sich immer um eine weiße (hetero cis) Person, die irgendeine Macke hat oder im Leben nicht zurecht kommt und gleichzeitig aber quirky und süß ist. Stimmt voll. Trotzdem feiere ich Serien wie „Fleabag“ ganz hart <3 Die Kurzgeschichten von Miranda July basieren alle ein bisschen auf dieser Prämisse. Menschen, die einsam sind, quirky, sozial awkward, Dinge wirklich tun, die die meisten nur denken. Das ist manchmal schön und überraschend, manchmal ein bisschen banal und manchmal bleibe ich hängen an den Figuren und ihren Geschichten. Würde gerne die Tür öffnen, anstatt nur durchs Fenster zu schauen.

Perfekt für die Nachmittagslektüre zwischendurch. Also für Menschen, die nicht die Zeit haben, ganze Romane in drei Tagen durchzulesen #unilife

Missy Magazine – Das Magazin für Pop, Politik und Feminismus, April/Mai 2020

Ich hab jetzt wieder seit Ewigkeiten ein Abo – das letzte war die „Wendy“ und die logische Folge ist dann die „Missy“, weniger Pferde, aber dafür geht’s auch mal um Sex. Mein Plan war, jeden Morgen vor der Arbeit ein bisschen vom Magazin zu lesen. Ging drei Tage ganz gut, dann war das Magazin aus und jetzt muss ich bis Juni warten…

Auch du kannst ein Missy-Abo haben!

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